Erfolgreiche ResellerInterview

Von Discounter Shirts bis zu den 1000 Euro Sneakern: Meine Geschichte

Mittlerweile kennt man einige erfolgreiche Reseller. Viele amerikanische Sneaker-Reseller wurden bereits interviewt und erzählten ihre Geschichte, wie sie mit Reselling erfolgreich wurden. Doch wie ist das eigentlich bei deutschen Resellern? Ist es hier schwieriger oder warum hört man bis jetzt so wenig von deutschen Resellern?

Um darüber mehr zu erfahren, habe ich mit deutschen Resellern Kontakt aufgenommen, um deren persönliche Story zu erfahren und die ein oder andere Insiderinfo für den deutschen Markt abzugreifen.

Im Folgenden hört ihr die Geschichte von David. Er fing mit 16 Jahren mit dem Reselling an und macht das mittlerweile schon 4 Jahre ziemlich erfolgreich. David ist einer der größten Reseller Deutschlands und macht laut eigenen Angaben über 20.000 Euro im Monat durch Reselling-Geschäfte. Er möchte jedoch nicht mehr über seine persönliche Identität preisgeben, was ja auch vollkommen verständlich ist. Also viel Spaß mit seiner Story.

Meine Geschichte

Ich hatte schon immer eher eine  unternehmerische Denkweise. In der Schule war ich nie der Beste. Mir war das alles zu theoretisch. Warum sollte ich lernen, wenn es noch Jahre dauern würde bis ich in der Ausbildung oder nach dem Studium etwas Geld sah.

Ich wollte nicht nach meinem formalen Bildungsgrad bezahlt werden, sondern nach der Leistung die ich wirklich erbrachte. Ich war bereit, hart zu arbeiten um mich eben das zu verwirklichen, hatte jedoch kein Geschäftsfeld gefunden, in dem das so einfach möglich war. Überall hieß es: Kein Studium, kein Geld.

In der nächsten Woche sah ich zufällig eine Doku über Handelsvertreter, die sich in diesem Fall auf Aktiengeschäfte spezialisiert hatten. Je mehr Abschlüsse sie tätigten, desto mehr verdienten sie. Sie wurden also nach ihrer eigentlichen Leistung belohnt, ob Sie die Abschlüsse durch Ihre gute Ausbildung oder durch einfache harte Arbeit erzielten, war hier egal. Das ging schon einmal in die richtige Richtung.

Billig kaufen, teuer verkaufen!

Inspiriert durch die Dokumentation, versuchte ich mein Glück zuerst im Aktienhandel. Natürlich vergeblich. Wie sollte auch ein Junge im Alter von 16 Jahren mit einhundert Euro Einsatz im Aktienhandel erfolgreich werden?

Ich suchte weiter nach Möglichkeiten, um an mein Ziel zu gelangen. Am besten sah ich meine Chancen im Handel mit physischen Gütern. Billig kaufen, teuer verkaufen lautete also die Devise.

Es war Anfang 2015, also die Zeit, indem der amerikanische Hip-Hop Lifestyle langsam anfing auch in Deutschland anzukommen. Supreme und Yeezy waren extrem gehypt. Jedoch wusste ich nicht was genau dahinter steckt. Ich bekam nur mit wie irgendwelche Hoodies oder Sneaker für Unmengen an Geld verkauft wurden.

So kam mir dann auch die Idee, Kleidungsstücke zu resellen. Mir gefiel der Gedanke, sich nicht selbst ein Image als angesagter Verkäufer aufbauen zu müssen, sondern einfach auf den Hype von Marken aufspringen zu können.

Meine ersten Gewinne

Schnell entwickelte ich eine Strategie. Da ich als Schüler nicht viel Geld hatte, versuchte ich zuerst mein Glück in Discountern und Secondhand Läden.

Dort konnte ich angesagte Marken Shirts für 10 bis 20 Euro kaufen und für etwa 40 Euro resellen.

Ich konnte damit natürlich Geld verdienen, aber es war mir bei weitem nicht genug, um mein Ziel zu erreichen. Ich wollte mit Reselling genauso viel verdienen wie in meinem Nebenjob. Während meiner Schulzeit hatte ich einen Minijob im Einzelhandel der mir ca. 450 Euro erbrachte.

Mit dieser Taktik resellte ich in meinen besten Wochen fünf Shirts und machte pro Shirt meistens um die 20 Euro Gewinn. Das waren immerhin schon 400 Euro im Monat. Ich hatte mein Ziel also fast erreicht.

Das reichte mir mittlerweile aber nicht mehr und so suchte ich nach effizienteren Möglichkeiten, um an mehr Geld zu kommen.

Gleiche Arbeit, vielfacher Gewinn

Mir fiel die Dokumentation über den Börsenmaklern wieder ein. Ich überlegte und kam zum Entschluss, dass alle erfolgreichen Händler nur reich wurden, weil sie mit großen Geldsummen handelten.

Ich hatte damals auch eine Dokumentation über Immobilienmakler von Luxusgebäuden gesehen, die so viel mit dem Verkauf eines Hauses so viel Geld verdient haben, wie ein normaler Immobilienmakler im Jahr. Sie arbeiteten im Grunde genauso viel Arbeit wie ein normaler Immobilienmakler, machten jedoch ein Vielfaches an Geld, weil sie Häuser verkauften, die wesentlich mehr Wert waren. Logischer Weise stiegen dadurch dann auch die Margen.

Ich resellte Artikel im Wert von 50 – 100 Euro und machte ungefähr 20 Euro pro Verkauf, also 10 Euro pro Woche. Ich fragte mich also: Warum reselle ich keine Artikel, deren Preis zwischen 500 – 1000 Euro liegt? Dann verdiene ich direkt 200 Euro pro Verkauf.

Ich hatte nun etwas Geld gespart, wusste aber nicht genau, wie ich an exklusivere Kleidung kommen sollte.

Ich fing an nach teuren Uhren und Designerkleidung zu schauen. Durch meine Recherchen fand ich jedoch heraus, dass es fast unmöglich war mit Marken- und Designerartikeln Geld zu verdienen, da sie fast überall günstiger Vertrieben wurden, als im eigentlichen Laden. Spätestens bei Ebay gab es selbst unbenutzte Markenkleidung günstiger als im Laden.

Hin und wieder würde ich wohl einen Designerstück finden, dass man gewinnbringend auf Ebay verkaufen kann aber die Marge wäre zu gering, um die Vorabinvestition zu rechtfertigen.

Der Handel mit Uhren war zwar rentabel, erforderte jedoch viel Kapital, Wissen und vor allem Seriosität, die mir als Teenager natürlich fehlte. Ich wusste nicht mehr was ich tun sollte.

Erfoschung des Sneaker-Reselling Marktes

Ich stöberte bei Ebay und filterte alle günstigeren Produkte aus. Ich suchte nach Gegenständen, die für 500-1000 Euro gehandelt wurden und viel wichtiger, mit denen ich mehr Gewinn erzielen konnte.

Zu meiner Überraschung befanden sich in diesem Segment, neben den klassischen Designerartikeln und Luxusuhren, auch ein Paar Nikes. Hierbei handelte es sich, wie ich später rausfand um die Jordan 2 Just Don.

Ich beobachtete, dass viele Paare der Jordan 2 Just Don in erbitterten Gebotsschlachten für fast 1000 Euro verkauft wurden. Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass diese Jordan beim offiziellen Release nur 350 Euro kosteten. Ich wusste sofort, dass ich ab jetzt Sneaker Resellen wollte.

Ich müsste nur einen Schuh pro Woche verkaufen, um mein wöchentliches Ziel von 500 Euro zu erreichen, und ich könnte sogar 1.000 Euro pro Woche verdienen, wenn ich zwei Schuhe verkaufe – vielleicht sogar 1.000 Euro am Tag. So viel Potenzial! 

Ich wusste nicht, dass sich aus dieser Entdeckung meine wohl profitabelste Geschäftsidee entwickeln würde.

Nachdem ich stundenlang recherchierte, kaufte ich meine ersten Sneaker. Es waren ein Paar Jordans, die ich für 190 Euro kaufte. Ich resellte Sie für 300 Euro. Abzüglich Ebay Gebühren und Versand blieben mir 80 Euro.

Das war das einfachste Geld, das ich je verdient hatte. Ich hatte endlich ein Produkt gefunden, das alle meine Kriterien erfüllte: hoher Resellingpreis und gute Marge gepaart mit schneller Verkaufsmöglichkeit. Sneaker Reselling war perfekt!

Ich resellte weiter Sneaker in der Preisklasse von 100-300 Euro,  bis ich genug Geld hatte, um Sneaker für 900 Euro zu kaufen. Nach ein paar Tagen resellte ich ihn für 1200 Euro. 

Als absoluter Anfänger gestartet, hatte ich bereits nach 4 Monaten über 10.000Euro verdient.

Mit der Zeit lernte ich, worauf es beim Reselling wirklich ankommt. Du musst regelmäßig die Release News verfolgen, dir einen guten Ruf aufbauen und der Rest kommt mit der Zeit. Wenn du einmal ein Gefühl für das Reselling entwickelt hast, ist es wirklich sehr leicht Geld zu verdienen.

Der Reseller Markt in Zahlen

Forbes schätzt, dass sich das jährliche Umsatzvolumen des Reseller Marktes auf über eine Milliarde Euro – und das war 2015. Das Interesse an limitierten Kleidungsstücken aller Art ist bis heute exponentiell gestiegen.

Dies ist auch ein Trend, der sich in absehbarer Zeit nicht verlangsamt. Derselbe Artikel von Forbes stellt fest, dass der internationale Sneaker-Markt seit 2004 um 40% gestiegen ist.

Obwohl nur schätzungsweise 4% der Sneaker für den Resell Markt geeignet sind, hat der die Reselling Industrie bereits Unternehmer und Unternehmen angelockt.  An der Spitze verdienen einige Reseller jährlich mehr als 2 Millionen Euro.

Welche Sneaker sollte man Resellen?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich bekomme. Woher weiß ich, welche Schuhe ich kaufen soll? Welche Marken und Modelle sind rentabel?

Um den Hype zu verstehen, müsst ihr einen Blick ins interne Geschehen werfen. Hierzu eignen sich am besten Modepublisher wie Hypebeast, High Snobiety oder Leak-Pages wie Sneaker-Reseller.

Zudem solltet ihr euch in Sneaker- und Modecommunitys bewegen. Denn am besten lernt ihr über das Geschäft, wenn ihr eure Kunden versteht. Das geht natürlich nur, wenn ihr im direkten Kontakt mit ihnen steht.

Informiere dich vor allem über die Marke Jordan. Folge Instagram-Konten, die über Sneaker-News berichten, damit du nicht jedes Mal recherchieren musst, welche Sneaker releast werden. Nutze alle oben genannten Informationsquellen, um bestmöglich Rückschlüsse auf die Resell Preise ziehen zu können und somit abzuschätzen, ob es sich lohnt den Sneaker zu kaufen.

Ich empfehle erstmal mit einem oder zwei Paaren zu beginnen, um euer Risiko zu minimieren.

Wo kauft man limitierte Sneaker am besten?

Sneaker, die schon releast wurden, kaufe ich meistens über Ebay oder Facebook Gruppen.

Aktuelle Releases kaufe ich immer direkt bei Nike oder Adidas im Onlinestore. Früher ging das auch noch ohne Sneakerbot. Mittlerweile wird es durch die steigende Konkurrenz immer schwieriger, ohne Bots an Sneaker zu kommen.

Es gibt auch autorisierte Einzelhändler, die limitierte Sneaker anbieten. Die bekanntesten sind FootLocker oder Eastbay. Es ist jedoch am besten, auf weniger bekannten Websites wie Mr. Porter oder END sein Glück zu versuchen. Dort sind die Chancen am größten.

Welcher Handelsplatz eignet sich am besten für’s Resellen?

Den Großteil von meinen Sneakern habe ich noch über Ebay verkauft. Mittlerweile setzen sich jedoch Apps wie Goat oder StockX durch, weshalb ich natürlich auch dort verkaufe.

Zusätzlich bin ich auch noch in diverse Facebook Gruppen, in denen ich ab und an auch mal Sneaker verkaufe.

Natürlich birgt Reselling gewisse Risiken, diese lassen sich jedoch mit etwas Erfahrung, gesundem Menschenverstand und dem richtigen Geschäftsnetzwerk schnell minimieren.

Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest

Nach meinem bis dahin erfolgreichsten Monat, unterliefen mir einige vermeidbare Fehler.

Zuerst bekam ich ein paar Fälschungen angedreht. Das Geld über PayPal zurückzukriegen war sehr aufwendig und zeitintensiv, weshalb ich lange vom eigentlichen Geschäft abhalten wurde.

Wie Ihr vielleicht bei einem Preis von über 1000 Euro erwartet könnt, gibt es einen florierenden Schwarzmarkt für wertvolle Sneaker.

Seid also vorsichtig beim Kauf und informiert euch dringend über die Erkennung von fake Sneakern und den Käuferschutz auf der jeweiligen Kaufplattform.

Sorgen machte mir auch mein PayPal Konto. PayPal war es nicht gewohnt, dass ich so viel Geld im Monat transferierte und fror es kurzer Hand ein. Da ich mich natürlich darauf verlassen habe, dass dort liegende Geld wieder in Sneaker investieren zu können, brauchte ich einige Monate um mich von dem verloren Kapital zu erholen.

Hätte ich PayPal vorher informiert, wäre das Problem vermeidbar gewesen. Aber wer wusste schon, dass ich schon nach ein paar Monaten mehr verdienen würde, als in den letzten zwei Jahren zusammen.

Wie du verhindern kannst, dass dir Fälschungen untergejubelt werden

Natürlich gibt es unzählige Fälschungen auf dem Markt. Glücklicherweise gibt es mittlerweile genug Tipps und Turtorials auf Youtube oder Sneaker-Foren, die über die feinen Unterschiede zwischen Fake und echten Sneakern aufklären.

Wenn ihr von einem Privatverkäufer kauft, solltet ihr den Käufer immer nach einer Authentifikations-Möglichkeit fragen. Diese wird meist in Form eines Fotos des Sneakers mit einem Zettel daneben präsentiert. Auf diesem Zettel steht das Datum, der Name des Verkäufers und ein zusätzliches Keyword eurer Wahl. So könnt ihr sichergehen, dass der Verkäufer den Sneaker auch wirklich besitzt.

Generell solltet ihr immer darauf achten, dass ihr den Sneaker mit Kaufbeleg erhaltet. Dies ist allein schon für den Werterhalt beim Reselling wichtig.

Seid ihr der Verkäufer, solltet ihr euer Paket immer als Einschreiben mit Tracking-ID versehen, damit der Empfänger nicht behaupten kann, er habe die Sneaker nicht erhalten.

Wie lagert man Sneaker am besten?

Die einfache Antwort lautet: Ich lagere Sie nicht wirklich – ich versuche jedes Paar so schnell wie möglich zu verkaufen.

Trotzdem kann es beim Sneaker Reselling schnell dazu kommen, dass Sneaker auch mal nicht so gut weggehen und sich dann Zuhaus stapeln. Um das zu vermeiden mache ich keine Experimente beim Einkauf und konzentriere mich mittlerweile nur noch auf brandneue Releases oder echte Klassiker. Ich trade nur die Sneaker, bei denen ich mir absolut sicher bin, dass ich diese auch gewinnbringend resellen kann.

Was das Reselling für mich bedeutet

Für alle die sich nebenbei etwas aufbauen möchten kann ich Sneaker-Reselling nur empfehlen.  Man lernt wertvolle unternehmerische Fähigkeiten. Vom Taxieren der Ware über das Anstellen Kalkulationen bis hin zur richtigen Einschätzung markt-technischer Situationen. Dies sind alles Dinge, so bin ich mir sicher, die ich in keiner formalen Ausbildung vermittelt bekommen hätte und die mich auch im zukünftigen Leben weiterbringen werden.